Die Industrie in Karlshorst blüht auf
Mit der Genehmigung der neuen Wohncolonie wurde 1895 ein so genannter Kolonie-Konsens erwirkt, der besagte, dass gewerbliche Anlagen, welche sich durch Geräusch und Geruch nach außen bemerkbar machen, verboten seien. Dennoch wurden Industrieanlagen errichtet.
1924 entstand die Furnierfabrik der Geschäftsleute Mamlok, Messow & Hirschfeldt, die auch die „Holzkönige“ genannt wurden. Sie haben Verwendungsmöglichkeiten von Holz erkannt und nutzten die sich stark entwickelnde Möbelindustrie zur Veredelung einfacher Hölzer durch Edelhölzer. Die jüdischen Fabrikanten konnten noch in den 1930er Jahren in die Niederlande auswandern, da sie bereits rechtzeitig die Stoßrichtung des Naziregimes erkannt hatten. Nach Verkauf der Fabrik an einen „arischen“ Pächter wurde das Furnierwerk ab 1941 in die Kriegsproduktionen mit einbezogen. Unter anderem wurden dort Munitionskisten produziert. Nach und nach wurden dort auch französische und polnische Kriegsgefangene als Zwangsarbeiter eingesetzt.
1945 wurden die wichtigsten Produktionsanlagen als Reparationszahlungen demontiert. Trotzdem konnte der Betrieb ab 1946 schrittweise für die Produktion von Kleiderbügeln, Kisten, Leisten, u.a. aufgebaut werden. 1951 entstand daraus der VEB Holzveredelung. 1991 wurde der Betrieb stillgelegt und die Belegschaft entlassen. Seither verwahrlost das Gelände zusehends.
1964 erhielt der Blockdammweg mit dem VEB Möbelwerke Karlshorst noch einen weiteren Großbetrieb. Die bis dahin auf Berlin verteilten möbelproduzierenden Betriebe wurden an diesem Standort zusammengefasst und auf industrielle Fertigung umgestellt. Hauptprodukt war bis in die 1980er-Jahre die Wohnzimmereinrichtung „Carat“, ein Produkt, auf das der DDR-Kunde rund zwei Jahre warten musste. 1979 wurde der Betrieb in das VEB Möbelkombinat Berlin integriert. Das Kombinat war auch als Billiganbieter für die BRD tätig. 1990 wurde es privatisiert.
Das dritte große Unternehmen südlich des Blockdammweges, das während der 1970er-Jahre entstand war der VEB Maschinenbauhandel, dessen gewaltiger gläserner Gebäudekomplex heute noch die Trautenauer Straße säumt. Dort entstand schrittweise die modernste Lagertechnologie der gesamten DDR Wirtschaft. Modernste elektronisch gesteuerte Hochregallager sollten termin-und sortimentsgerechte Lieferungen garantierten. Der Bedarf konnte aber immer weniger gedeckt werden, da zwischen Produktionsaufkommen und Nachfrage eine immer größer werdende Lücke klaffte. 1992 wurde das Unternehmen von der Treuhand Liegenschaftsgesellschaft verkauft und ging 1993 in Liquidation. Die Lager- und Büroflächen wurden vermietet.